Allgemeiner Marktkommentar und Ausblick zu den Rentenmärkten

Wie schon in den Vorwochen, waren im Juni die europäischen Rentenmärkte durch eine hohe Volatilität geprägt. Zum einen verschärfte sich die Lage hinsichtlich einer möglichen Zahlungsunfähigkeit Griechenlands bzw. dem Verbleib Griechenlands in der Eurozone, mit dem vorläufigen Höhepunkt des Abbruch der Verhandlungen durch die griechische Delegation Ende Juni. Dies führte zu einer deutlichen Spreadausweitung an den Credit-Märkten und bei PeripherieAnleihen.
Das Kaufprogramm der EZB („QE“) hat in dieser Phase den Markt nicht beeinflusst. Zum anderen sorgten Äußerungen der Fed-Chefin Janet Yellen Anfang des Monats für einen Schub bei den Zinssteigerungserwartungen. Entsprechend stiegen die 10-jährigen Bundrenditen innerhalb der ersten Juniwoche von 0,5 auf 1 Prozent, pendelten im weiteren Monatsverlauf zwischen 0,75 und 0,9 Prozent und liegen derzeit bei 0,76 Prozent.
An den Credit-Märkten führte die Verunsicherung zu verstärkter Risikoaversion und die Spreads weiteten sich unter extremer Volatilität deutlich aus. Die Trading Range des Crossover Index lag zwischen 280 und 356 Basispunkten und damit doppelt so hoch wie im Vormonat.

Die Neuemissionstätigkeit kam in der zweiten Monatshälfte fast vollständig zum Erliegen.
Aufgrund dieser hohen Unsicherheit an den Märkten verloren Unternehmensanleihen im Investment-Grade Bereich fast 2 Prozent und damit so viel wie schon lange nicht mehr.
Finanztitel schnitten wegen ihrer kürzeren Duration etwas besser ab.
Industrielle Hybridanleihen verloren dabei mit 3,2 Prozent außergewöhnlich viel, ebenso nachrangige Versicherungstitel, die sogar 3,8 Prozent verloren.
High Yield-Anleihen (BB Index) verloren trotz kürzerer Duration, aber wegen der stärkeren Spreadbewegung mit 1,87 Prozent nahezu genauso viel.
Die Nachrangquoten sollten weiterhin fast ausgeschöpft bleiben. Nach der deutlichen Spreadausweitung im Juni erwarten wir für den Juli zumindest eine Konsolidierung auf dem erreichten Niveau. Hilfreich wäre dazu eine finale Umsetzung der Griechenland-Lösung. Einige Neuemissionen werden in Erholungsphasen sicherlich noch an den Markt kommen, sollten aber den Markt nicht belasten. Grundsätzlich dürfte die Liquidität ab Monatsmitte abnehmen und sich erst wieder Ende August normalisieren. Bei zunehmenden idiosynkratischen Risiken ist eine fundamentale Unternehmensanalyse eine Voraussetzung für gute Performance.
Das volkswirtschaftliche Hauptszenario lautet weiterhin „Aus dem Takt“. Die heterogene globale Entwicklung wird sich auch 2015 fortsetzen. Der Konjunkturzyklus ist aus dem Takt. Mittlerweile findet man die unterschiedlichsten Konjunkturphasen über alle großen Volkswirtschaften verteilt wieder. Die Eurozone dürfte sich in 2015 mit 1,5 Prozent erholen. Die Inflationszahlen werden im Kalenderjahr 2015 hier bei null Prozent liegen. Mit einer Wachstumsprognose von 3,0 Prozent für die USA in 2015, ist diese mittlerweile in der zweiten Halbzeit ihres Superzyklus angekommen. Daher dürfte es – abhängig von einer weiter stabilen Datenlage – zu einer Zinserhöhung durch die FED kommen. Eine erste Erhöhung im September 2015 sehen wir als wahrscheinlichste Terminierung.
Das fundamentale Umfeld, die anhaltenden geopolitischen Risiken sowie die deutliche, expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), lassen auch mittelfristig ein niedriges Zinsumfeld erwarten. Die Umsetzung einer europäischen „Bail-In-Regulierung“ wird den Finanzsektor weiter beeinflussen und eine größere Differenzierung zwischen „guten“ und „schlechten“ Banken forcieren.
Der Umgang Österreichs mit nachrangigen Gläubigern der Hypo Alpe Adria (Heta) ist aus Anlegersicht ein weiteres Negativbeispiel für das Umdenken der Staaten in Bezug auf die Unterstützungsmaßnahmen für kriselnde Banken. Solange keine zusätzlichen gravierenden geopolitischen Entwicklungen eintreten, wird von Renten mit Risikoaufschlägen weiterhin eine Outperformance erwartet, auch wenn die Performanceschwankungen in den letzten Monaten deutlich gestiegen sind. Im weiteren Verlauf erwarten wir einen sehr aktiven Primärmarkt. Ein anhaltend hoher Anlage- und Renditebedarf, kaum Anlagealternativen, die Erwartung weiterer unterstützender Zentralbankmaßnahmen aus den Kaufprogrammen der EZB sowie auf der fundamentalen Seite eine Entlastung der Banken in Bezug auf die Liquiditätsanforderungen, unterstützen die positive Markterwartung im Basisszenario. Grundsätzlich ist jedoch eine umfassende und regelmäßige Titelanalyse unabdingbar. Auch wenn die zukünftigen Ausfallraten nicht maßgeblich ansteigen sollten, können zwei bis drei Ausfälle im Portfolio bereits die komplette Jahresperformance vernichten. Das Risiko von Blasen bei einzelnen Vermögenswerten könnte perspektivisch zunehmen. Die EZB wird dieses Umfeld nicht bis in alle Ewigkeit prägen können. Eine entsprechende Adhoc-Marktvolatilität ist bekanntlich bereits zur Normalität geworden.

Quelle: Plan F Research, Ampega

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