BGH-Urteil: Ankreuz-Patientenverfügungen unsicher

Patientenverfügungen und Vollmachten zeigen ihre Qualität, wenn der Fall der Fälle eintritt. Sind sie nicht umfassend und konkret genug, kommt es zu Problemen, wie ein aktuelles BGH-Urteil zeigt.
Allgemeine Hinweise zum Verzicht auf lebenserhaltende Maßnahmen genügen nicht, so das Gericht. Patientenverfügungen müssen konkrete Maßnahmen präzise beschreiben. Auch in Vollmachten müsse klar beschrieben sein, in welchen Fällen ein Bevollmächtigter Entscheidungen zum Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen treffen dürfe.
Im kürzlich entschiedenen Fall hatte eine heute 75-jährige Frau aus Baden-Württemberg 2011 einen Hirnschlag erlitten. Sie wurde in einer Pflegeeinrichtung untergebracht und war in der Folge nicht mehr einwilligungsfähig. Sie hatte eine Patientenverfügung, in der sie angab, dass bei einem Gehirn-Dauerschaden “lebensverlängernde Maßnahmen unterbleiben” sollten. Eine ihrer drei Töchter hatte sie 2003 als Bevollmächtige über eine notarielle Generalvollmacht eingesetzt, mit der sie die Tochter auch zur Vertretung in medizinischen Fragen berechtigte. Auch in der Vollmacht legte fest, dass bei unheilbarer Erkrankung ohne Aussicht auf Wiedergenesung auf lebenserhaltende Maßnahmen zu verzichten sei.
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Der Rationale Investor

Die Erfindung der Rationalität verdanken wir Xenophanes aus Kolophon. Er war der
„Sturmvogel der griechischen Aufklärung“, der erste rationale Denker unter den Philosophen,
die vor ihm eher Dichter und Seher waren.Er hielt die Götter des Olymps für ein
Konstrukt menschlicher Phantasie („Wenn die Pferde Götter hätten, sähen sie wie Pferde aus“),
er vertrat eine empiristische Erkenntnistheorie im Sinne von Karl Popper („Nicht von Anfang
an haben die Götter den Sterblichen alles Verborgene gezeigt, sondern allmählich
finden sie suchend das Bessere“) in welcher das Sammeln von Fakten wichtiger ist als
das blinde raisonnieren. Vor allem aber wusste er, dass Theorien nicht zu trauen war. Für Geld
interessierte er sich nicht. Er war derart verarmt,dass er für die Begräbniskosten seiner Kinder
nicht aufbringen konnte und diese mit eigener Hand bestatten musste.
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Der Zusammenhang zwischen US-Präsidentschaftswahlen und dem Aktienmarkt

Am 08. November 2016 werden die US-Amerikaner zu den
Wahlurnen gehen, um den nächsten Präsidenten der USA
zu wählen. Das Wahlergebnis ist noch ungewiss. Eines ist
jedoch sicher: Experten und Prognostiker werden auch
in den kommenden 2 Wochen kontinuierlich ihre Meinung
darüber äußern, wie sich das Ergebnis der Wahl auf den
Aktienmarkt auswirken wird. Wie wir nachfolgend
erläutern, wäre es für Anleger jedoch besser, sich nicht
aufgrund derartiger Vorhersagen in Versuchung führen
zu lassen und ihren langfristigen Investmentplan signifikant
zu ändern.
Langfristig gesehen hat
der Markt erhebliche
Renditen erzielt – ganz
gleich, in welcher Hand die
Regierungsgewalt lag.

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Das britische Pfund und der Umgang mit Währungsschwankungen

Seit der Abstimmung Großbritanniens für den Austritt aus der Europäischen Union ist das britische Pfund stark gefallen – gegenüber dem Euro auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren und seit 30 Jahren gegenüber dem US-Dollar. Auch in der Vergangenheit waren Währungen volatil und unvorhersehbar. Doch müssen sich Anleger mit einem globalen Portfolio dadurch keine Sorgen machen.
Britisches Pfund im Vergleich zum Euro – die letzten 12 Monate:
 
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2016 – Das Jahr der Herausforderungen

„Meinungen statt Fakten“ ist oft teuer
Acht Monate sind in 2016 absolviert und bereits jetzt lässt sich bilanzieren: 2016 wird als ein Jahr der Fallen und der großen Herausforderungen in die Börsengeschichte eingehen. Aus Sicht eines europäischen Anlegers ergibt sich ein gemischtes Bild: Der US-Leitindex S&P 500 befindet sich auf Allzeithoch, europäische Aktienindizes kämpfen dagegen um Anschluss. Geprägt von zwischenzeitlichen Korrekturen und der – nur kurz anhaltenden – Schockwirkung durch den Brexit klopft der DAX nun erstmals im August an das erreichte Vorjahresendniveau an. Neuer Optimismus? Noch nicht wirklich. 2016 ist ein Jahr der Herausforderungen, Geduldsproben und zahlreichen Stolperfallen für Aktienanleger – typisch für den reifen Bullenmarkt. Eine kritische Grundhaltung ist immer noch vorherrschend, das Wechselspiel zwischen Skepsis und Optimismus weiterhin bezeichnend für die allgemeine Stimmungslage. Der unmittelbare Einfluss auf die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer ist dabei offensichtlich: Je nach Kursentwicklung werden jegliche Prognosen schnell an die neue Realität angepasst. Runter = Angst, hoch = Hoffnung! Kurse machen Meinungen! Continue reading

Geldanlage in Gold oder Rohstoffe?

Ist es Zufall, dass der Goldpreis in den Tagen nach dem Brexit-Votum zwischenzeitlich um mehr als 100 US-Dollar pro Feinunze gestiegen ist? Nein. Unsicherheit vor politischen Entwicklungen hat schon immer den Goldpreis nach oben getrieben. Gold gilt als Krisenwährung. Es ist eine Art Mystik, die das Edelmetall umgibt. Dass es für so wertvoll gehalten wird, hängt vor allem damit zusammen, dass es so wenig davon gibt. Würde man alles Gold dieser Erde zu einem großen Würfel zusammenschmelzen, hätte dieser Würfel gerade einmal eine Kantenlänge von 20 Metern. Das ist wahrlich nicht viel. Continue reading

Wirkt sich das politische Durcheinander auf Ihre Geldanlage aus?

„Es wird voraussichtlich eine sehr unruhige Woche für die globalen
Finanzmärkte werden, da Händler über das relative Abschneiden der
US-Präsidentschaftskandidaten grübeln. Ohne einen klaren Favoriten
ist es jedoch unwahrscheinlich, dass der US-Aktienmarkt eine eindeutige
Richtung einschlagen wird, bevor der Sieger feststeht.“
Kommt Ihnen das bekannt vor? Diese Zeile aus einem Artikel der Reuters-Nachrichtenagentur wurde in Zeitungen auf der ganzen Welt veröffentlicht. Letzte
Woche? Letzten Monat? Nein – dieser Artikel erschien bereits im September 1988 und behandelte die Debatten zwischen George Bush und Michael Dukakis in jenem Jahr.
Wie auch im diesjährigen Wahlkampf 2016 traten damals zwei neue Bewerber für das höchste Amt gegeneinander an, da Präsident Ronald Reagan dem Ende seiner zweiten
Amtszeit entgegensah und nicht zur Wiederwahl stand. Zu Beginn des Jahres 1988 sprachen Umfragen der New York Times und CBS News von einer politischen
Stimmung der „Abweichung und Ungewissheit“.
Dies soll nicht heißen, dass jeder Wahlkampf gleich ist. Es weist lediglich darauf hin, dass die Finanzmärkte regelmäßig durch politische Ungewissheiten steuern. In Hinblick auf sogenannte vermeintliche „Muster“ in diesen Wahljahren zeigen Analysen jedoch, dass die
12-Monats-Ergebnisse der Wahljahre den allgemeinen Durchschnittswerten erstaunlich ähnlich sind. Continue reading

Brexit

Sehr geehrte (Mit-)Investoren,
die Briten haben sich mehrheitlich für einen Austritt aus der Europäischen Union entschieden, was zwischenzeitlich zu heftigen Marktverwerfungen geführt hat.
Unsere Vermögensverwaltungsstrategien waren davon nur eingeschränkt betroffen, da wir kaum britischen Werte, keine Bankaktien und insgesamt kaum europäischen Aktien im Fonds haben.
In den Tagen danach haben wir die teilweise attraktiven Kurse genutzt und gezielt durch Rebalancing Aktien nach- bzw. neu gekauft.
Brexit!
Die an Beispielen für politisches Chaos nicht gerade arme europäische Geschichte erlebt in den Tagen nach dem Brexit-Votum einen neuen Höhepunkt der politischen Kakophonie. Erstaunlicherweise scheint es in GB nämlich wenig bis keine Vorbereitungen gegeben zu haben, was im Falle eines Pro-Brexit- Votums zu tun ist. Im Ergebnis bricht die englische Politik inzwischen völlig auseinander. Der Premierminister Cameron ist zurückgetreten, seine Partei ist über die Nachfolge tief gespalten und der Brexit-Befürworter, Boris Johnson, hat sich in die Büsche geschlagen. Darüber hinaus haben Abgeordnete der Opposition („Labour“) ein Misstrauensvotum gegen den eigenen Parteichef angesetzt und gewonnen. Dieser weigert sich aber bislang zurückzutreten. Schottland will in der EU bleiben und ist bereit, sich dafür notfalls von England abzuspalten. Nordirland will ebenfalls in der EU bleiben und denkt über eine Wiedervereinigung mit Irland nach. Es liegen unruhige Monate vor dem (noch) Vereinigten Königreich.
In Europa wollen die einen (unter der Leitung Frankreichs) die Engländer so schnell wie möglich draußen haben, während die anderen (angeführt von Deutschland) hoffen, dass die Engländer einen „Exit vom Brexit“ vornehmen. Dies würde für die dortigen Politiker bedeuten, das rechtlich nicht bindende Ergebnis des Votums zu ignorieren. Eine Möglichkeit hierfür wäre schlicht keinen Antrag auf Austritt nach Artikel 50 zu stellen. Wir halten diese Variante für kaum durchführbar, da es eine extreme Missachtung einer demokratischen Wahl (mit hoher Wahlbeteiligung!) wäre und es sicherlich erhebliche kurz- und mittelfristige Konsequenzen für die Demokratien in GB und Europa hätte. Continue reading

Das richtige Verhältnis von Rendite und Risiko

Im Folgenden möchte ich Ihnen aufzeigen, wie Sie die für sich passende Anlagestrategie und –Struktur ermitteln.
Da jeder Anleger unterschiedliche Ziele verfolgt, ist eine individuelle Anlagestrategie von besonderer Bedeutung. Grundlegend ist diese von zwei Faktoren abhängig. Zum einen von Ihrer individuellen Risikopräferenz und zum anderen von dem geplanten Anlagezeitraum. Also bis wann Sie das angelegte Geld wieder benötigen.
Die individuelle Risikopräferenz beschreibt, wie leicht sich der Anleger tut, trotz Kursschwankungen die gewählte Anlagestrategie konsequent durchzuziehen. Es gibt Anleger, die schon bei Kursverlusten von 10% unruhig schlafen. Umgekehrt gibt es aber auch Anleger, die selbst größeren Kursverlusten etwas positives abgewinnen, da sie günstig zusätzliche Gelder anlegen können.
Weiterhin ist der geplante Anlagezeitraum von besonderer Bedeutung. Trotz einer durchschnittlichen Renditeerwartung am Kapitalmarkt von 5 – 7 % kann es kurzfristig in Krisenzeiten zu stärkeren Kursrückschlägen kommen. Diese lassen langfristige Anleger idealerweise völlig unberührt, da diese sich einfach aussitzen lassen. Je länger Sie planen Ihr Geld anzulegen, desto mehr Zeit geben Sie Ihrer Geldanlage um eventuelle Kursverluste wieder auszugleichen. So können Sie dementsprechend ein höheres Risikolevel in Kauf nehmen und erzielen damit langfristig höhere Renditen.
Bezogen auf die Geldanlage beschreibt die Anlagestrategie das Verhältnis zwischen dem risikoreichen Anteil (Aktien) und dem risikoarmen Anteil (Anleihen). Je offensiver die gewählte Anlagestrategie, desto höher der Aktienanteil. Somit steigt die Wertschwankung, also die Chance auf mehr Rendite und gleichzeitig das Risiko einer kurzfristigen Wertminderung.
Die folgende Tabelle bietet Ihnen eine Orientierung, um sich in Abhängigkeit von Ihrer persönlichen Risikopräferenz für eine Anlagestrategie zu entscheiden. Continue reading

Hochsaison fur Crashpropheten

Die Indizes haben ihre Allzeithochs verlassen, die Druckmaschinen der Notenbanken fahren auf Hochtouren und verschiedene Indikatoren lassen keinen Zweifel zu, dass amerikanische Aktien relativ hoch bewertet sind. Mit anderen Worten – die Stunde der Crashproheten wird bald wieder schlagen. Warum stellt sich überhaupt jemand in die Mitte eines Marktplatzes, nichts anderes ist die Börse, und malt den Untergang der laufenden Hausse in den düstersten Farben? In aller Regel lautet die Erklärung: Um Geld zu verdienen!
Die Masche der Börsen-Wahrsager
Es gibt viele Arten sein Geld an der Börse zu verdienen. Mit der Angst der Marktteilnehmer, insbesondere der Privatanleger, zu spielen, ist nicht gerade die schwierigste und edelste, um es höflich zu formulieren. Die Marktschreier kommen aus allen Richtungen der Branche. Sie verkaufen Börsenbriefe, Reports, Bücher und ein paar Vermögensverwalter sind auch dabei. Die Kernaussage klingt bei allen sehr ähnlich: Nur mein Börsenbrief, mein Buch, meine Art der Anlage kann das Volk vor großen finanziellen Verlusten schützen. Nun muss das Volk natürlich auch wissen, warum ausgerechnet jetzt eine große Gefahr droht. Oder nicht?
Die goldene Regel
Was müssen Sie tun, wenn Sie es als Crashprophet oder sogar Verschwörungstheoretiker, die Königsklasse der Schwarzseher, weit bringen möchten? Beherzigen Sie die eine goldene Regel, quasi das Fundament des Erfolgs: Nennen Sie niemals ein genaues Datum! Bestenfalls bestimmen Sie nicht mal einen groben Zeitraum. Die Angst darf nicht von einem Moment auf den nächsten schwinden, Sie ist Ihr wichtigstes Instrument. Erleichterung, weil dieses oder jenes Ereignis nicht eingetreten ist, wäre da völlig fehl am Platz.
Diesen Fehler hat der gute alte Nostradamus begangen, als er den Weltuntergang zur Jahrtausendwende vorhersah. Fehlalarm. Wenigstens hat er die Schande selber nicht mehr miterleben müssen. Im Gegenteil, nach Ihrer Theorie muss die Wahrscheinlichkeit eines Armageddon mit der Zeit immer höher werden, bis es, zumindest theoretisch, unausweichlich wird. Während dieser Spanne beschreiben Sie das Szenario in unterschiedlichen Varianten, getreu dem Motto: Es wird jeden erwischen, Flucht ist unmöglich. Fast zumindest, denn ein Pfad führt natürlich zum Licht, nämlich ihrer.
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