Die ich rief, die Geister, Werd´ich nun nicht los

Dieser bekannte Satz aus Goethes „Zauberlehrling“ kommt einem unvermittelt in den Sinn, wenn man die Diskussionen verfolgt, die um die Technologie der „Künstlichen Intelligenz“ entbrannt ist. So sieht der Tesla-Chef und PayPal-Gründer Elon Musk die künstliche Intelligenz als größte Gefahr der Zukunft für die Menschheit: „Künstliche Intelligenz ist ein fundamentales Risiko für die Existenz der menschlichen Zivilisation, so, wie es Autounfälle, Flugzeugabstürze, Drogen oder schlechtes Essen nie sein werden“. Die Silicon Valley Ikone Musk befindet sich mit seiner Einschätzung in guter Gesellschaft! Auch der Apple Mitgründer Steve Wozniak und der bekannte britische Astrophysiker Stephen Hawking warnen vor den unkontrollierbaren Folgen künstlicher Intelligenz. Hawking sieht die Technologie gar als möglichen Auslöser unseres eigenen Untergangs: „Die Entwicklung vollständiger Künstlicher Intelligenz könnte das Ende der Menschheit bedeuten!“ Selbst Russlands Präsident erkennt erhebliche Gefahren beim Einsatz dieser Technologie. Zugleich dürfte Russland wie andere Großmächte bereits erheblich in die militärische Nutzung dieser Technologie investieren. So führte Putin nahezu im selben Atemzug aus: „Wer in der KI-Technologie die Führung erreicht, wird die Welt beherrschen!“
 

 
Die Aussage Putins zeigt die Richtung der Befürchtungen von Musk, Wozniak und Hawking bezüglich des Themas „Künstliche Intelligenz“: Wie bei jeder neuen bahnbrechenden Technologie sind weltweit die Militärs massiv an ihrer Nutzung interessiert. Die USA, Russland und China, aber auch viele andere Staaten dürften schon große geheime Entwicklungsprogramme in dieser Richtung gestartet haben. Selbstlernende, intelligente Waffensysteme könnten die Schlagkraft einer Armee dramatisch erhöhen. Die Frage ist jedoch: Zu welchem Preis? Ohne einen „roten Knopf“, mit dem menschliche Entscheidungsträger eingreifen können, wären selbstentscheidende, lernfähige Maschinen wohl wirklich in der Lage, einen „dritten Weltkrieg“ auszulösen. Darüber hinaus könnten Maschinen und die dahinter stehenden Institutionen die totale Überwachung der Menschheit übernehmen. Musks Forderung nach proaktiven weltweiten gesetzlichen Regulierungen erscheint daher berechtigt!
Interessante Interviews zu diesem Thema:
https://www.youtube.com/watch?v=Re6FWOfWlCM
https://www.youtube.com/watch?v=XWL9kB1XoDE
Eine hervorragende Satire zu intelligenten Sprachassistenten:
https://www.youtube.com/watch?v=oXtBvCGQJNE
Und eine hervorragende Satire zu intelligenten Sprachassistenten:
https://www.youtube.com/watch?v=kty0xCgIYjA
Weitere Quellen:
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Elon-Musk-fuerchtet-Dritten-Weltkrieg-article20017677.html
Doch ist die Entwicklung von Maschinen und Softwareprogrammen mit künstlicher Intelligenz generell eine bedenkliche Fehlentwicklung und sollte ihre Weiterentwicklung so weit wie möglich verhindert werden? Sicher nicht! Wie jede bedeutende Technologie wird die künstliche Intelligenz ohnehin nicht aufzuhalten sein! Wichtiger noch: Die technologischen Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz eröffnen zahlreiche äußerst nützliche Einsatzmöglichkeiten: Seien es medizinische Geräte wie Hörgeräte oder Insulinpumpen, die sich an die Bedürfnisse des jeweiligen Patienten selber anpassen, Produktionsmaschinen, die ihre Arbeitsschritte selbstlernend optimieren, Anti-Virensoftware, die sich mit Blick auf neue Bedrohungen eigenständig weiterentwickelt oder Autos, die Gefahren proaktiv erkennen und mit jedem gefahrenen Kilometer sicherer werden. Kaum einer hätte gegen solche Anwendungen etwas einzuwenden! Auch beim Thema Künstliche Intelligenz gibt es wie bei allen Schlüsseltechnologien das ganze Spektrum an absolut wünschenswerten Anwendungen bis hin zu absoluten Horror-Szenarien – mit allen „Grautönen“ dazwischen. Es wäre daher falsch, die Diskussion nur auf die möglichen negativen Auswirkungen zu konzentrieren und die positiven Aspekte zu ignorieren! Man muss sich aber bewusst sein, dass – wie beim Thema Gentechnologie – mögliche Fehlentwicklungen im Extremfall eine nicht mehr zu stoppende Eigendynamik aufnehmen könnten.
 
Bevor man aber weiter in die Tiefe geht, stellt sich die Frage: Was versteht man eigentlich unter dem Begriff „Künstliche Intelligenz“ oder englisch „Artificial Intelligence“ (AI)? Wie immer bei allgegenwärtig gebrauchten Schlagworten verbergen sich dahinter ganz unterschiedliche Bedeutungen und Forschungsrichtungen. Viele von uns denken hierbei zunächst an menschenähnliche Roboter, wie sie in vielen Science Fiction Filmen dargestellt werden. Davon ist die Realität sicher noch weit entfernt! Das Forschungsgebiet künstliche Intelligenz erzielt aber aktuell dramatische Fortschritte! Ausschlaggebend hierfür ist, dass „Moores Law“ auf absehbare Zeit seine Gültigkeit behalten wird und damit die Rechnerleistung der Hardware exponentiell zunimmt (siehe hierzu: unser Investorenbrief vom März 2017). Die stärksten Rechner dürften damit um das Jahr 2040 die Leistungsfähigkeit aller menschlichen Gehirne zusammen übertreffen!
 
Informatives Videos zum Thema Singularität (Rechnerleistung übertrifft Fähigkeiten aller menschlichen Gehirne):
https://www.youtube.com/watch?v=mXJzkDhVh8A
https://www.youtube.com/watch?v=zJ1XR8dOFjw
Welche Ausprägungen des Forschungsgebietes künstliche Intelligenz unterscheidet man? Die wichtigste ist die zwischen „schwacher“ und „starker“ künstlicher Intelligenz (AI)“. Während die starke AI darauf abzielt, die Fähigkeiten des Menschen weitgehend zu duplizieren beziehungsweise sogar zu übertreffen, zielt die schwache AI eher auf einzelne menschliche Fähigkeiten wie das Verstehen von Texten und Sprache, das Erkennen von Bildinhalten und Zeichen, das Beherrschen von Spielen oder das Navigieren eines Fahrzeuges. Fast alle bekannten heute im Einsatz befindlichen Systeme wie Amazons Alexa oder Apples SIRI zählen zur schwachen AI. Die hier zum Einsatz kommende Software funktioniert nach dem Prinzip der Mustererkennung. Darüber hinaus gibt es auch wissensbasierte AI Systeme wie IBMs Watson oder Googles Spielesoftware Alphago, die 2016 als erste Maschine den besten menschlichen Spieler im asiatischen Strategiespiel Go besiegen konnte.
 
All diese Systeme haben gemeinsam, dass es sich bei ihnen – im Vergleich zu früheren Ansätzen, bei denen feste Regeln programmiert wurden – um selbst lernende Ansätze handelt. Diese Programme verbessern sich durch die Auswertung unzähliger Daten und Simulationen (zum Beispiel von Spielabläufen beim Schach) permanent selber. Hierbei greift man auf Softwarelösungen zurück, die das menschliche Gehirn als sogenannte künstliche neuronale Netze simulieren. Mit anderen Worten: AI-Systeme optimieren wie das menschliche Gehirn den Weg, der für das jeweilige Problem offensichtlich den meisten Erfolg verspricht. Bei diesem Verfahren, das man auch „Deep Learning“ nennt, entstehen Algorithmen, die der Programmierer vorab nicht planen und die er häufig auch nicht mehr nachvollziehen beziehungsweise verstehen kann. Die auf diesem Weg entstandenen “Black-Box“-Systeme befinden sich bereits auf dem Weg von einer schwachen zu einer starken AI! So führten chinesische Forscher 2014 mit öffentlich zugänglichen Lösungen wie Googles KI und Apples SIRI Intelligenztests durch. Der hierbei ermittelte beste Intelligenzquotient betrug 27 im Vergleich zu 100 bei einem durchschnittlichen erwachsenen Menschen. Im Jahr 2017 wiederholte man den Versuch und erzielte bereits einen Wert von 47, welcher der Intelligenz eines sechsjährigen Kindes entspricht. Mit anderen Worten: Die Systeme verbessern sich in einem rasanten Tempo!
https://t3n.de/magazin/machine-learning-wirtschaft-241859/4/
https://t3n.de/news/ai-machine-learning-nlp-deep-learning-776907/
 
 
Brauche Input!“
An diesen bekannten Ausruf des intelligent gewordenen Roboters aus dem amerikanischen Science Fiction Film „Nr. 5 lebt“ können sich sicher viele erinnern. Auch wie „Nr. 5“ in atemberaubender Geschwindigkeit eine ganze Bibliothek durchliest.
https://www.youtube.com/watch?v=-upam5r3nbA
https://www.youtube.com/watch?v=uH6NnS7hy40
Auch AI-Systeme verlangen nach immer mehr Daten für ihre Optimierungsprozesse. Dank der zunehmenden Digitalisierung (unter anderem auch durch das “Internet der Dinge“) und dem damit drastisch ansteigenden Datenvolumen können die AI-Systeme immer besser “gefüttert“ werden. Hierdurch werden sie – auch dank der weiter exponentiell steigenden Rechnerleistungen und den Möglichkeiten der neuen extrem schnellen „Big Data“-Datenbanken (z.B. SAPs HANA) – ihr Lerntempo weiter beschleunigen. Dies eröffnet in der Zukunft nahezu unendliche Einsatzmöglichkeiten. Wie es der bekannte KI-Forscher Andrew Ng zusammenfasste: „Meinen Freunden und mir fällt es schwer auf eine Branche zu kommen, die nicht von AI betroffen sein wird“. Dies wird dazu führen, dass nicht nur einfache Routinetätigkeiten von Maschinen übernommen werden können, sondern auch hoch komplexe, mit langjährigen Ausbildungen verbundene Berufe wie zum Beispiel die Tätigkeit von Ärzten oder Rechtsanwälten in Gefahr wären. Selbst Informatiker könnten langfristig quasi “ein Opfer ihres eigenen Erfolgs“ werden. So haben Google Forscher ihre AI-Software ein weiteres selbstlernendes Programm entwickeln lassen, das sich als leistungsfähiger herausstellte als alle zuvor von Menschen erstellten Versionen.
https://www.youtube.com/watch?v=uH6NnS7hy40
Auch in kreativen künstlerischen Berufen könnte die künstliche Intelligenz Einzug halten: So hat SONY eine künstliche Intelligenz mit dem Namen „Flow Machines“ entwickelt, die Songs komponiert, die aus der Feder bekannter Künstler wie den Beatles oder auch Johann Sebastian Bach stammen könnten:
https://www.mobilegeeks.de/artikel/sony-kuenstliche-intelligenz-komponiert-musik-im-stil-der-beatles/
https://www.deutschlandfunk.de/neuronales-netzwerk-neue-bach-choraele-aus-dem-computer.676.de.html?dram:article_id=376486
 
Nicht zuletzt ist die künstliche Intelligenz auch in der Finanzindustrie und insbesondere auch im Asset Management auf dem Vormarsch. Viele sehen „Robo-Investoren“ als die Fondsmanager der Zukunft! Diesen Teilaspekt der AI werden wir im Detail in unserem kommenden Investorenbrief beleuchten!
https://www.fundresearch.de/Nachrichten/Top-Themen/Kuenstliche-Intelligenz-Konkurrenz-fuers-Fondsmanagement-.html
Generell kann man festhalten, dass die künstliche Intelligenz zusammen mit der fortschreitenden Digitalisierung wohl die nächste “industrielle Revolution“ einleiten wird, mit all den Chancen und Risiken, die mit solch epochalen Umwälzungen verbunden sind! Die größte gesellschaftliche Herausforderung werden die damit ausgelösten Umbrüche auf dem Arbeitsmarkt darstellen, welche die Effekte aus der Globalisierung noch bei weitem übertreffen werden. Laut einer viel zitierten Studie der beiden Oxford Forscher Carl Benedikt Fry und Michael Osborne könnte in der westlichen Welt in den kommenden 15 Jahren jeder zweite Job durch AI gefährdet sein. Andere halten diese Zahlen hingegen für weit überzogen.
Auf jeden Fall muss sich die Gesellschaft darauf einstellen, dass zusätzlicher Wohlstand in Zukunft zunehmend von Maschinen “erarbeitet“ wird und Lösungen finden, wie dieser gerecht verteilt wird. Gesellschaftspolitische Ansätze wie das “bedingungslose Grundeinkommen“ erscheinen vor diesem Szenario in einem neuen Licht.
https://t3n.de/news/5-tech-trends-welt-veraendern-851008/
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/arbeitsmarkt-der-zukunft-die-jobfresser-kommen-a-1105032.html
https://www.zeit.de/2017/11/kuenstliche-intelligenz-arbeitsmarkt-jobs-roboter-arbeitsplaetze
Wo Risiken sind, gibt es auch erhebliche Chancen! Intelligente Programme eröffnen vielen Unternehmen völlig neue Geschäftsmodelle und Zugänge zu ihren Kunden. Laut einer weltweiten Studie von Capgemini hat der bisherige Einsatz von KI bei 83% der befragen Unternehmen zu einem erheblichen zusätzlichen Wachstum und sogar – im Gegensatz zu den oben dargestellten Szenarien – zu mehr Beschäftigung geführt:
 
https://www.capgemini.com/de-de/news/kuenstliche-intelligenz-sorgt-fuer-mehr-jobs-und-steigende-umsaetze/
Dass der Einsatz künstlicher Intelligenz zahlreiche neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnet, haben die großen amerikanischen Internet- und Technologiekonzerne erkannt und ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten massiv ausgeweitet. Mit Amazon, Google, Intel, Microsoft und Apple befinden sich inzwischen gleich fünf von ihnen unter den 10 Unternehmen mit dem weltweit größten Forschungsetat. Darüber hinaus übernahmen sie in den letzten Jahren zahlreiche im AI-Bereich tätige Gesellschaften. Auch der chinesische Internetriese investiert im großen Stil (bis zu 15 Milliarden USD) in das Thema künstliche Intelligenz. Dies alles dürfte Befürchtungen verstärken, dass die großen IT-Konzerne zu mächtig werden könnten.
 
https://www.heise.de/developer/meldung/Alibaba-investiert-in-Forschung-und-Entwicklung-zu-KI-3860471.html
Die europäischen Technologieunternehmen haben das Thema “Künstliche Intelligenz“ aber keinesfalls verschlafen! So hat SAP mit „Leonardo“ einen eigenen Geschäftsbereich zum Thema Digitalisierung und künstliche Intelligenz geschaffen, der zudem auf völlig neue Geschäftsmodelle wie eine nutzungsabhängige Gebühr für die entsprechende SAP-Plattform setzt. Die Chancen von SAP, hier erfolgreich zu sein, stehen dabei nicht schlecht, da ein erheblicher Teil der für die AI-Systeme benötigten Daten von traditionellen SAP-Lösungen generiert werden. Auch die Software AG erscheint uns mit ihrem Fokus auf das Thema Digitalisierung und hier insbesondere auf das „Internet der Dinge“ gut positioniert. Beide Unternehmen sollten zu den „Gewinnern des Wandels“ durch die Themen Künstliche Intelligenz und Digitalisierung gehören. Das Gleiche gilt für die ebenfalls stark in unserem Fonds vertretene Halbleiterindustrie. Die mit dem Vormarsch der künstlichen Intelligenz – und hierzu gehören auch Themen wie das „Autonome Fahren“ oder „Smart City“ – verbundene Explosion des Datenvolumens, die stark steigende Zahl der benötigten Sensoren und die hohe Nachfrage nach Rechnerkapazitäten sollten der Branche ein anhaltend hohes Wachstum ermöglichen. Angesichts der durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz absehbaren Umbrüche dürften sich in den kommenden Jahren auch in vielen anderen Sektoren Gewinner und Verlierer der „vierten industriellen Revolution“ herauskristallisieren. Das uns auf absehbare Zeit die Investmentideen ausgehen, erscheint vor diesem Hintergrund nahezu unmöglich!
 
Wenn einem auch angesichts der aufgezeigten Möglichkeiten und Risiken der Künstlichen Intelligenz angst und bange werden könnte, sollten wir unseren Optimismus nicht verlieren! Der Mensch hat viele Fähigkeiten wie Inspiration, Motivation, Fantasie und Empathie, die mit der Optimierung von großen Datenmengen kaum zu kopieren sein dürften. Letztendlich liegt es an uns, die künstliche Intelligenz mit unseren ethischen Idealen in die richtigen Bahnen zu lenken. Und eins ist auch klar: Maschinen werden nie Liebe und Glück empfinden! Ein „Schatz“ den uns auch die intelligenteste Software nicht entreißen kann!
In diesem Sinne sollten wir auch an grauen Wintertagen den Blick auf die Schönheit unserer Welt bewahren!
Mit herzlichen Grüßen aus Stuttgart
Ihr Tilmann Speck Stuttgart, Januar 2018

One thought on “Die ich rief, die Geister, Werd´ich nun nicht los”

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>