Was ist schon rational an der Börse

Der Zusammenhang zwischen Börse und Meinungen ist eng. Manchmal ist er auch zu eng, wenn die Anleger händeringend eine Geschichte suchen, um das zu rechtfertigen, was sie tun. Das ist insbesondere der Fall, wenn die Aktienmärkte, wie seit ein paar Tagen, in einem offiziellen Bärenmarkt sind.
Zu Jahresanfang sind die Aktienmärkte gefallen, aus Furcht, China könnte den Reminbi unkontrolliert abwerten. Dann stellte sich heraus, dass die Abwertung recht gering war.
Aber dann kam die Furcht auf, die Ölpreise könnten ins Nichts fallen und die Aktienmärkte stürzten weiter ab. Allerdings stellte sich heraus, dass dies für den Konsumenten gar nicht schlecht war und dass die Ölpreise seit Mitte Januar nicht mehr fielen.
Aber dann kam die Furcht auf, die USA könnten in eine Rezession geraten und die Aktienmärkte stürzten weiter ab. Allerdings stellte sich heraus, dass es der Wirtschaft in der entwickelten Welt einigermaßen gut ging und dass die amerikanische Zentralbank sich keineswegs genötigt sah, die Zinsen zu senken.
Aber dann kam die Furcht auf, den Zentralbanken könnten die Mittel ausgehen, sich gegen eine Deflationsspirale zu stemmen und die Aktienmärkte stürzten weiter ab. Allerdings stellte sich heraus, dass die Zentralbanken noch lange nicht am Ende waren (Japan drückte die 10–jährigen Zinsen unter die Nulllinie, die Fed ließ diesen Schritt offen).
Aber dann kam die Furcht auf, das Bankensystem könnte mit den niedrigen Zinsen nicht umgehen und die Aktienmärkte stürzten weiter ab. Allerdings stellte sich heraus, dass es den Banken weder gut noch schlecht geht, ihnen aber heute ein erheblich größerer Kapitalpuffer zur Verfügung steht, als noch vor wenigen Jahren. So hat die Commerzbank die Dividendenzahlungen an die Aktionäre wieder aufgenommen und der Chef von JPMorgan hat den Absturz genutzt, um für 26 Millionen Dollar Aktien des eigenen Instituts zu kaufen.
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Kommentar zur aktuellen Lage

Die aktuelle Lage – Wie ist unsere Meinung?

…um es direkt am Anfang auf den Punkt zu bringen:

  1. Ruhe bewahren und Nerven behalten!
  2. Prozyklisches Verhalten ist die größte Quelle für Fehler an der Börse!
  3. Börse ist eine „massenpsychotische“ Veranstaltung, Übertreibungen sind immer möglich.
  4. Die Leitplanken zur Orientierung an der Börse sind die Bewertungen.
  5. Sonderangebote an der Börse zum Kauf nutzen (…und nicht zum Verkaufen)!


1. Ruhe bewahren und Nerven behalten in der aktuellen Situation – eine Bestandsaufnahme:

Der August entpuppt sich erneut als schwieriger Börsenmonat. Früher hatte man Angst vor dem Oktober, dann folgte der September, seit einigen Jahren erfolgen die Einbrüche im August.
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China und die Börse: Wenn der Drache Feuer speit

Fast auf jedem Kontinent gibt es seit jeher Sagen und Legenden über Drachen. Riesige, teils geschuppte Wesen, die den Menschen Angst einhauchten und Verderben brachten. Im schlimmsten Falle kam der Drache Feuer speiend über das jeweilige Dorf und vernichtete Felder, Häuser, die vollständige Wirtschaftsstruktur des Dorfes, der Region.
Auch wenn der Drache selbst aus wissenschaftlicher Sicht bis heute nicht aus dem Reich der Mythen herausgeholt wurde, so scheint der geopolitische Vertreter, der große Drache China, aktuell in der weltweiten Realwirtschaft eine ähnliche Wirkung zu entfalten.
Das große und seit Jahren mit gewaltigen Wirtschaftswachstumsraten glänzende China scheint nun deutlich an Glanz zu verlieren. Der seit etwa zwei Monaten trotz massiver Interventionen des Staates extrem an Wert verlierende Aktienmarkt (mittlerweile über 35%), wurde noch als chinesische Problematik mit geringen globalen Auswirkungen hingenommen. Doch der größte Exporteur der Welt hat nun auch mit geringeren Wachstumsraten zu kämpfen, der Einkaufsmanagerindex zeigt negatives Wachstum an und das Vertrauen schwindet.
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China und der Aktienmarkt – Ist das eine Blase?

Empirische Studien belegen, dass es zwischen dem Wirtschaftswachstum und der Aktienmarktrendite eines Landes keine positive, sondern eine tendenziell sogar leicht negative Korrelation gibt. In keinem Land gibt es allerdings eine so ausgeprägt negative Korrelation wie in China. Nachdem die chinesische Führung 2009 gigantische fiskalpolitische Maßnahmen zur Wachstumsankurbelung ergriffen hatte, war sie in den folgenden Jahren gezwungen, die überhitzte Wirtschaft mit einer restriktiven Geldpolitik wieder abzukühlen. Gleichzeitig flossen ca. 50% des Privatvermögens in China in Immobilien, weniger als 10% in Aktien. Folge war eine grauenhafte Wertentwicklung am chinesischen Aktienmarkt vor dem Hintergrund einer gewaltigen Börsenhausse im Rest der Welt. Seit Mitte des letzten Jahres kühlt sich der Immobilienmarkt massiv ab und bremst das Wachstum der chinesischen Wirtschaft. Um eine zu starke, unerwünschte Abschwächung zu verhindern, begann die chinesische Zentralbank im letzten November mit der ersten Zinssenkung. Weitere Zinsschritte sind schon erfolgt bzw. werden noch kommen. In diesem Zeitraum stieg der chinesische Binnenmarkt (A-Shares) um ca. 75%. Chinesische Investoren verlagerten ihre Kapitalanlagen vom Immobilienmarkt bzw. damit korrelierten Kreditprodukten zum damals noch günstig bewerteten Aktienmarkt. In den letzten Monaten wurden wöchentlich ca. 1 Mio. neue Aktiendepots eröffnet. 20% der Aktienkäufe sind gehebelt, d.h. sie werden mit Kredit finanziert. Die KGV-Bewertung hat zwischenzeitlich Niveaus von ca. 17 erreicht.
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