Verlieben Sie sich nicht in eine Aktie

Haben Sie sich schon einmal nur deshalb durch einen schlechten Film gequält, weil Sie für die Kinokarte bezahlt haben und schließlich auch etwas für Ihr Geld bekommen wollten? Manchen Leuten geht es mit ihren Investments genauso.
Vertreter der Verhaltensökonomie haben einen Begriff für diese Neigung von Personen und Organisationen, an einer Verluststrategie nur deshalb festzuhalten, weil sie bereits viel Zeit und Geld in diese investiert haben. Es handelt sich dabei um den sogenannten Trugschluss irreversibler Kosten („sunk cost fallacy“).
Ein Beispiel dafür ist der Kauf einer Immobilie nahe einer stark befahrenen Autobahn. Das Käuferpaar ist der Meinung, dass die Anpflanzung von Bäumen und doppelt-verglaste Fenster die Belastung durch den Straßenlärm signifikant verringern werden. Nach einer Investition von mehreren Tausend Euro ist es allerdings trotzdem noch unmöglich, in diesem Haus zu wohnen. Das Paar will die Immobilie jedoch immer noch nicht verkaufen, da dies ja „reine Geldverschwendung wäre“.
Dies ist ein typisches Beispiel irreversibler Kosten. Trotz der hohen Wahrscheinlichkeit, dass Anleger ihren Einsatz nicht zurückerhalten werden – unabhängig des tatsächlichen Endergebnisses – zögern sie, ihre Verluste zu begrenzen und ihre Immobilie oder ihr Investment zu verkaufen, da sie sich damit eine Niederlage eingestehen müssten. Ähnliches können wir auch am Aktienmarkt beobachten. Häufig spekulieren Investoren beim Kauf einer bestimmten Aktie aufgrund von Zeitungsartikeln über die Aussichten eines Unternehmens oder einer gesamten Branche. Treten diese Prognosen nicht ein, halten Anleger aber trotzdem an der Aktie fest.

Beispielsweise könnte der Kurs einer Bergbaugesellschaft durch optimistische Prognosen zu neuen Projekten in die Höhe getrieben werden. Wenn sich jedoch herausstellt, dass sich die Erwartungen nicht erfüllen werden, halten einige Anleger weiter an der Aktie fest, da sie irrtümlicherweise der Meinung sind, dass ihr Investment mit der Zeit doch noch einen Gewinn bringen wird.
Die Motivation hinter diesem Trugschluss irreversibler Kosten ist mehr als verständlich. Wir hoffen immer, dass unsere Investments erfolgreich sein werden, und wollen oftmals nicht wahrhaben, dass unsere Anstrengungen umsonst waren. Es gibt jedoch verschiedene Wege, mit diesen Herausforderungen umzugehen.
Wir haben dafür sieben einfache Regeln für Sie zusammengestellt:
[su_tabs][su_tab title=“Regel 1″]Akzeptieren Sie, dass nicht jede Anlage erfolgreich sein wird. Aktien steigen und fallen aufgrund von Nachrichten sowie der kollektiven Einschätzung aller Marktteilnehmer über die zukünftigen Erfolgsaussichten. Potenzielle Renditen sind jedoch immer mit dem Risiko verbunden, dass Ergebnisse von den Erwartungen abweichen[/su_tab]
[su_tab title=“Regel 2″]Risiko und Rendite hängen voneinander ab – trotzdem lohnt es sich nicht, jedes beliebige Risiko einzugehen. Mit großen Wetten auf einzelne Aktien oder Branchen setzen Sie sich idiosynkratischen Einflüssen aus, wie etwa sich verändernden Technologien. Denken Sie nur daran, wie es Kodak ergangen ist.[/su_tab]
[su_tab title=“Regel 3″]Eine breite Diversifikation kann Ihnen dabei helfen, individuelle Einflüsse zu vermeiden. Wir wissen, dass wir, auf lange Sicht gesehen, auf den Kapitalmärkten eine Rendite erhalten. Diese ist allerdings nicht gleichmäßig auf alle Aktien und Zeiträume verteilt. Aus diesem Grund sollten Sie Ihr Risiko breit streuen.[/su_tab]
[su_tab title=“Regel 4″]Entwickeln Sie ein Verständnis dafür, wie Finanzmärkte funktionieren. Wenn Sie in den Nachrichten von den großartigen Aussichten eines bestimmten Unternehmens oder Sektors erfahren, waren diese Informationen meist bereits bekannt und wurden schon von den Märkten eingepreist.[/su_tab]
[su_tab title=“Regel 5″]Blicken Sie nach vorne und nicht zurück. Finanznachrichten sind interessant – sie enthalten allerdings nur Informationen über bereits vergangene Ereignisse, an denen Sie nichts mehr ändern können. Für Investments ist es jedoch wichtig, sich auf die Zukunft zu konzentrieren.[/su_tab]
[su_tab title=“Regel 6″]Verlieben Sie sich nicht in Ihre Investments. Anleger machen häufig den Fehler, hohes emotionales Kapital in eine Aktie zu stecken, von der sie sich dann bei Verlusten einfach nicht wieder trennen können. Es ist viel leichter diszipliniert zu bleiben, wenn Sie einen gewissen Abstand zu Ihrem Portfolio wahren.[/su_tab]
[su_tab title=“Regel 7″]Führen Sie regelmäßiges Rebalancing durch. Dies ist eine weitere Möglichkeit, um diszipliniert zu bleiben. Wenn der Aktienanteil Ihres Portfolios an Wert zugenommen hat, empfiehlt es sich, diesen Anteil zu reduzieren und den Erlös in Anleihen zu investieren, und somit Ihre gewünschte Portfolio- und Risikostruktur aufrecht zu halten.[/su_tab]
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Dies sind sieben einfache Regeln. Sie bieten Ihnen die Möglichkeit, Ihr Ego aus dem Anlageprozess herauszuhalten und den Trugschluss irreversibler Kosten zu vermeiden.
Im Übrigen gibt es kein perfektes Portfolio. Es gibt stattdessen eine unbegrenzte Anzahl an verschiedenen Möglichkeiten. Diese basieren jedoch auf der Grundlage individueller Bedürfnisse und Risikoprofile individueller Investoren, nicht auf „heißen Tipps“ oder den Ansichten von Finanzkommentatoren. Solch ein Ansatz mag vielleicht nicht so spannend klingen. Indem Sie jedoch einen emotionalen Abstand zwischen sich und Ihrem Portfolio wahren, können Sie ungesunde Bindungen vermeiden.
In der folgenden Grafik sehen Sie den Verlauf von vier unterschiedlichen Portfolios seit September 2008. Der Unterschied liegt in der unterschiedlichen Aktienquote von 20,40,60 und 80%. Die Struktur wurde in der ganzen Zeit nicht verändert bzw. mit Hilfe eines Rebalancing jedes ¼-Jahr immer wieder in den Ursprungszustand gebracht.

Quelle: Jim Parker Dimensional, Plan F GmbH