Märkte weiterhin im Würgegriff der Notenbanken

Die Kapitalmarktakteure fieberten den im Dezember anstehenden Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank sowie der US-Notenbank Fed regelrecht entgegen und ersuchten, sich im Vorfeld entsprechend zu positionieren. Der Konsens unter den Marktteilnehmern sah in der Eurozone ein weiteres Öffnen der bereits sperrangelweit offenstehenden Geldschleusen vor, zumal Mario Draghi die Märkte nach allgemein vorherrschender Auffassung bereits vollmundig darauf vorbereitet hatte.
Andererseits wurde erwartet, dass der Offenmarktausschuss der Fed in seiner Sitzung am 15. und 16.12.2015 die erste Zinserhöhung seit rund 7 Jahren beschließen wird. Die vom Markt erwartete Ausweitung des Anleihekaufprogramms der EZB in der Anfang Dezember stattfindenden Sitzung des Offenmarktausschusses blieb zur Enttäuschung der Marktteilnehmer zwar aus, was Gewinnmitnahmen bei Aktien sowie beim US-Dollar nach sich zog. Allerdings dürfte es lediglich eine Frage der Zeit sein, bis die EZB weitere Liquidität in die Märkte schleust.

Doch ist eine weitere Lockerung seitens der EZB wirklich sinnvoll, zumal in der Realwirtschaft davon immer weniger ankommt. Womöglich zielt Draghi darauf ab, den Euro zur Unterstützung der Exportwirtschaft weiter zu schwächen und läutet damit die nächste Runde im Abwertungswettlauf ein. Noch mehr überschießende Liquidität würde die bereits heute bestehenden Anreize zu fehlerhafter Allokation von Vermögen weiter anheizen. Will heißen dass die Preise für Aktien, Immobilien und andere Assets ihren teilweise bereits irrationalen Höhenflug weiter fortsetzen würden.
Doch kritische Stimmen, die der Meinung sind dass dieses Spiel nicht ewig dauern werde, sind nicht zu überhören. Und in der Tat, erste Hinweise wonach die Entwicklung an den Aktienmärkten holpriger werden könnte, häufen sich.
Besonders gespannt sind die Auguren auf die Reaktionen an den US-Aktienmärkten. Das hat gute Gründe, denn der S&P 500-Index befindet sich an einer charttechnischen Schlüsselstelle, die eine hopp oder top Entscheidung geradezu erzwingt. Nachdem der Index vor einigen Wochen aus dem seit März 2009 bestehenden Aufwärtstrend herausfiel, konnten sich die Kurse zwar wieder erholen. Der Sprung zurück in den ehemaligen Aufwärtstrend gelang dem Aktienmarkt bislang jedoch nicht.
Seit rund einem Jahr versucht der Index den Bereich um 2.100 bis 2.135 zu knacken, bislang ohne Erfolg. Packt der Index die harte Hürde nicht bald, könnte aus technischer Sicht eine deutliche Korrektur, schlimmstenfalls bis in den 1.600 Punkte-Bereich anstehen. Die Unsicherheit der Anleger ist nicht nur spürbar sondern auch begründet, denn die Gewinne der US-Unternehmen steigen bereits seit dem zweiten Quartal nicht mehr, genauso wie die Nettogewinnmargen der S&P 500-Unternehmen.
Der S&P 500 Index über 5 Jahre:
notenbanken
Auch Intermarket-Signale mahnen zur Vorsicht. Oft schon war der US-High Yield-Markt Vorbote fürdie Aktienmarktentwicklung. Und dort fallen die Kurse seit Wochen, die Zinsaufschläge im Vergleich zu US-Staatsanleihen steigen. „Am US-Kreditmarktmarkt brodelt es“, wie jüngst die in Zürich erscheinende Finanz und Wirtschaft titelte. Mittlerweile schwächelt auch das Investmentgrade-Segment. Ob sich daraus ein Problem für den US-Aktienmarkt ergeben wird oder die Schweizer Kommentatoren zu schwarz sehen,
wird sich wohl bald zeigen.
Wir wünschen allen Lesern eine ruhige und besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Quelle: Plan F Research, Greiff Capital

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